Erzählen im Alltag
„Hat dir das Konzert gefallen?“ – „Wie geht es Klara?“ … Wir hören die Frage und fangen an zu erzählen. Wir finden Worte für Geschehenes, für Gerüche, Geräusche, Gefühle. Wir entscheiden, was wichtig ist, und spüren meist intuitiv, wie viel unser Gegenüber hören möchte. Der schönste Weg von Mensch zu Mensch ist auch im Alltag eine Geschichte. Jede und jeder von uns erzählt täglich. Hier ist Erzählen keine Kunst und soll auch keine sein.
Wo mündliches Erzählen Kunst wird
Vielleicht war deine Oma oder jemand anders aus der Familie so etwas wie eine Erzählkünstlerin, ein Erzählkünstler - Erzählen ist schließlich die älteste "Performance-Kunst" der Welt. Du bist beim Zuhören in den Märchen und Geschichten versunken, hast mitgebangt, mitgeliebt, mitgefühlt.
Wer auf der Bühne frei erzählt, tut mehr: Erzähler*innen wählen ihre Stoffe sorgfältig aus, bauen sie um, suchen nach Worten und (inneren) Bildern, die Szenen lebendig machen, finden verblüffende Anfänge und passende Schlüsse. Sie holen sich die Geschichten von der Quelle ins Herz, bauen sie zu stimmigen Programmen zusammen.
Auf der Bühne – wo immer die sein mag – wird dann frei erzählt. Die Worte kommen so, wie sie gerade ge- und empfunden werden. So spürt das Publikum die Hitze an der Esse, das Steinchen im Schuh, den Herzschlag beim Anblick des Drachen. Denn beim Zuhören reagieren auch Bereiche des Gehirns, die für körperliche Bewegung, für Freude und Schmerz zuständig sind. Im Kontakt mit dem Publikum entsteht eine im Wortsinn einzigartige Performance. Jede Geschichte ist jedes Mal neu und frisch.
Das Publikum reagiert. In Afrika - das habe ich leider (noch) nicht erlebt - wohl lebhaft mit Zwischenrufen und Gefühlsäußerungen; bei uns weniger hör- und sichtbar. Doch die Energie, die vom Publikum zurückkommt, ist auch bei uns spürbar und beeinflusst das Erzählen: Gestik, Mimik, Wortwahl, Lautstärke. Die Forschung hat gezeigt, dass die Gehirnaktivität (Wellen) der Zuhörenden sich angleichen. Mündliches Erzählen ist interaktiv ... und magisch.
Als Erzählerin verschaffe ich meinem Publikum einmalige Erlebnisse. Auch wenn ich – meist – meine Geschichten kenne und mein Programm geplant habe, ist jede Veranstaltung für mich und für andere aufregend anders.
Vom Hören zum Sprechen
Geschichten sind der Königsweg zum Spracherwerb. Dabei geht es nicht nur um Wörter, Satzstrukturen und Zusammenhänge. Wer erzählt, ordnet Erfahrungen, findet Zusammenhänge und trainiert sprachlichen Ausdruck. Wer zuhört und dann selbst erzählt, erweitert Wortschatz, Vorstellungskraft und Verständnis – in jedem Alter, in der Muttersprache und natürlich beim Erlernen einer Fremdsprache.
Erzählen in Gemeinschaft
Die Geschichten, die wir erzählen, helfen, uns selbst zu verstehen, uns und anderen unser Leben und Handeln zu erklären. Das klappt umso sicherer, je besser das Gegenüber zuhört. Darum funktionieren moderierte Erzählkreise oder die Methode „Sprechen und Zuhören“ so gut: Das Erzählte darf unbeurteilt, unkommentiert stehen bleiben, und gleichzeitig helfen die Erzählungen anderer Menschen, den Blick zu weiten, neue Aspekte zu entdecken und vielleicht sogar die Perspektive zu wechseln.
Auch in Coaching und Therapie spielt Erzählen eine große Rolle: Coach*in oder Therapeut*in sind hier kompetente Zuhörende, die mit gezielten Fragen und Interventionen ermöglichen, die eigene Geschichte zu bearbeiten, neu zu bewerten oder ganz neu zu erzählen.
Als Narrative Begleiterin höre ich meiner Klientin, meinem Klienten beim Erzählen zu ermögliche ihnen, selbstbewusste Autorinnen und Autoren ihrer eigenen Geschichte zu werden.
Der schönste Weg von Mensch zu Mensch ist eine Geschichte.
Lass uns darüber sprechen, was ich für dich tun kann: erzählen, begleiten, zuhören.
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Roswitha Menke . Mit Geschichten um die Welt
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