Erlesenes . Erlogenes . Erlebtes

Erlesenes

Meist ist der Ausgangspunkt einer Geschichte, die ich auf der Bühne erzähle, etwas Schriftliches: Märchen, Mythen, Sagen, Kurzgeschichten, Biografien, die ich in Büchern finde oder irgendwo höre und dann nachlese. Manche Geschichten wollen offenbar, dass ich sie erzähle. Schritt für Schritt wird der Text aus dem Buch zu meiner Geschichte. Mehrere Geschichten werden zum erlesenen Programm - oft so, dass sich eine Geschichte durch den Abend zieht und von anderen Geschichten gestützt und aufgewertet wird. 

 

Erlogenes

Gut möglich, dass das, was ich schließlich erzähle, nur noch wenig mit dem zu tun hat, was im Buch steht: traditionelle Stoffe zeitgemäß, Biografien nachvollziehbar, komplexe Geschichten verständlich

Und: Wenn es passt, das vollkommen "Erlogene". Mit ein paar Begriffen, die Zuhörerinnen und Zuhörer mir zuwerfen, entstehen Geschichten, die es vorher nicht gegeben hat und die es nie wieder geben wird - mit Spaß und Publikumshilfe improvisiert. 

 

Erlebtes

"Die Menschen wollen wissen, wer auf der Bühne steht", sagte Kollege Jürg Steigmeier, als ich 2010 in Bern das Erzähltheater  "Tausendundzwei" eröffnete. Wirklich? Ich wollte es nicht glauben. Dann habe ich mich selbst beim Zuhören beobachtet. Jürg hat Recht! Seither gibt es bei jedem Auftritt ein bisschen "Roswitha". Auch meine Großmütter sind längst Stars von Erzählprogrammen, die Logikerin Ada Lovelace, die Friedensstreiterin Bertha von Suttner, das Mathematikgenie Srinivasa Ramanujan und mach andere - echte Menschen und ihre Erlebnisse.

Auch deine Erlebnisse spielen eine Rolle: Jedes Bild, das meine Worte in deinen Kopf zaubern, basiert natürlich auf deinen inneren Bildern und Erlebnissen. Das ist gut und richtig und führt dazu, dass du beim Erzählen dein ganz persönliches, einzigartiges Erlebnis hast.